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Google lässt in Berlin das Internet erforschen

Google lässt in Berlin das Internet erforschen

Für Google, sagt Max Senges, sei eine Sache besonders wichtig. „Wir müssen Wurzeln schlagen und die verschiedenen Perspektiven kennenlernen.“ Senges, dessen Haarschopf recht ungeordnet wuchert, sitzt an diesem Morgen auf einem Podium im Senatssaal der Humboldt-Universität zu Berlin.

Sein Namensschild weist ihn als „Dr. Senges“ aus, und das ist kein Nachteil, denn ihm zur Seite sitzen fünf Professoren und zwei Promovierte aus honorigen Universitäten und Forschungsinstitutionen. Damen und Herren, die sich mit Forschung gut auskennen und natürlich mit den vielen Gremien, in denen der Wissenschaftsbetrieb verwaltet wird. Gekommen sind sie alle, weil Senges‘ Arbeitgeber Geld zur Verfügung stellt.

Google spendiert 4,5 Millionen Euro – mit diesem Geld wird das Institut für Internet und Gesellschaft gegründet. Am Montag wurden die Pläne vorgestellt. Eric Schmidt, bis vor Kurzem Vorstandschef des Internetgiganten aus Kalifornien, hatte die Gründung im Winter angekündigt. In einem Gastbeitrag für die Morgenpost schrieb Schmidt am 16. Februar: „Wir glauben, dass dieses Land (Deutschland ) auch künftig Ideen, Erfindungen und langfristiges, strategisches Denken fördern wird.“ Das schmeichelt dem Land und soll zeigen, dass der Konzern lernfähig ist. Nach den erregten Datenschutzdebatten im Zusammenhang mit dem Google-Service Street View will das Unternehmen nun mehr Rücksicht auf lokale Befindlichkeiten nehmen. Es will beispielsweise verstehen, warum hierzulande so erregt wie kaum anderswo über Datenschutz diskutiert wird. Google legt das Ohr an nationale Debatten, will sich vernetzen im deutschen Wissenschafts- und Politikbetrieb.

Eine große Befindlichkeit dreht sich um die Unabhängigkeit der Forschung vom Finanzier Google. Immer wieder betonen Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin (WZB) und Jan-Hendrik Olbertz, Präsident der Humboldt-Universität (HU), diese Unabhängigkeit. Alle Gremien seien eingebunden. „Es wäre ein Missverständnis, wenn jemand annähme, dass Google ein Forschungsinstitut bekommt“, sagt Allmendinger. Das Unternehmen entscheide nicht darüber, was erforscht wird.

Zunächst befristet

Senges sagt, man betrachte die Überweisung als Grundfinanzierung. Die Zusage von Google gilt für zunächst drei Jahre. In jedem Jahr fließen 1,5 Millionen Euro. Davon werden zunächst zehn Stellen finanziert. Doktoranden, Postdoktoranden sollen für Projekte gewonnen, internationale Forscher aus aller Welt zur Teilnahme gebeten werden. Zudem werde man versuchen, Drittmittel von EU oder Ministerien zu gewinnen. Neben der Humboldt-Uni und dem WZB wird das neue Institut von der Berliner Universität der Künste (UDK) und dem Hamburger Hans-Bredow-Institut getragen. Residieren wird es am Bebelplatz, wo die Juristische Fakultät der HU ihren Sitz hat. Es wird vier Direktoren geben, die jeder einen Forschungsbereich verantworteten. Diese nennen sich „Internet-Innovation“, „Internet-Regulierung“, „Informations- und Medienrecht“ sowie „Fragen des Verfassungsrechts im Internet“. Juristen, Ökonomen, Sozialwissenschaftler arbeiten „interdisziplinär“, wollen also die Zäune ihrer sonst oft so sorgsam eingehegten Forschungsbereiche niederreißen.

„Aus eigener Kraft könnten wir kein Institut in dieser Größenordnung ins Leben rufen“, sagte Martin Rennert, Präsident der UdK. Dazu seien die eigenen Mittel der Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen zu knapp. Deshalb sei ein Ziel, zehn Prozent der Forschung aus Unternehmensmitteln zu finanzieren. „Davon sind wir aber noch weit entfernt“, fügte Allmendinger an.

Bislang fließen unternehmerische Fördermittel hauptsächlich in den ingenieurs- und naturwissenschaftlichen Bereich. Die Technische Universität Berlin etwa konnte im vergangenen Jahr 146,2 Millionen Euro Drittmittelausgaben einsammeln. Die Geisteswissenschaften hingegen gelten noch als wirtschaftsfremd. Obwohl die geisteswissenschaftlich orientierte Humboldt-Universität (HU) mehr Studierende ausbildet, insgesamt zwölf Graduiertenschulen finanziert und an sechs Forschungsclustern beteiligt ist, verfügte die Hochschule im vergangenen Jahr nur über 92,6 Millionen Euro Drittmittel. Lediglich 4,6 Millionen Euro davon kamen aus der Wirtschaft. Den Löwenanteil gaben die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), der Bund direkt und diverse Stiftungen.

„Es wird Zeit für die Wirtschaft zu erkennen, dass geisteswissenschaftliche Fächer für sie wichtig sind“, sagte der ehemalige Berliner Wissenschaftssenator George Turner. Jedes Unternehmen, das Werbung und Dienstleistung betreibe, sei auf wissenschaftliche Ergebnisse der Psychologie oder der Soziologie angewiesen. Es sei ein Gewinn für Hochschulen, wenn Google Nachahmer finden würde.

 

  • Quelle: morgenpost.de